Das Leben ist nicht fair und wir SLEAZELs sind es erst recht nicht. Unsere Rubrik Schlechter als SLEAZE macht euch mit den schlechtesten Veröffentlichungen der kommenden Tage bekannt. Da wir aber keine kompletten Arschlöcher sind, versuchen wir wenigstens ehrlich zu sein. Ist eine VÖ überraschenderweise doch besser, als wir vermutet haben, dann stehen wir auch dazu. In diesem Fall gibt es eine gute Bewertung und einen imaginären Blumentopf für den/die Künstler/in.

Tattarataaaaaaa…wir präsentieren euch: Schlechter als SLEAZE Weihnachtsspecial

Diesmal in den Hauptrollen: LeAnn Rimes, Costa Cordalis, Xavier Naidoo und Co., Kyle Minogue, Mariah Carey und Angelo Kelly & Family!

LeAnn Rimes – Today Is Christmas

Schlechter als SLEAZE Weihnachtsspecial

LeAnn Rimes – Today Is Christmas

Label: Prodigy
VÖ: 16.10.2015

Genre: (Weihnachts)Country
Klingt wie: Sinusitis sich anfühlt.

Dort, wo ein Vokalpop-Glibber-Bach zu einem Country-Gallert-Ozean wird, dort sitzt sie. LeAnn Rimes: das Aspik der Sülzwurst texanischer Unterhaltung. Sitzt da, im Schneidersitz auf winterlich-wuscheligem Hochflorteppich. In Thermohose, Kuschelpulli und mit Santa-Mütze – weil „Today is Christmas“. Und wenn die Maria Höfl-Riesch des Country das sagt, dann ist das so. Für besinnliches Parapapampam bedarf es lediglich eines gesungenen Imperativs. Die Entscheidung für das Album war also nicht abhängig vom Kalender, sondern von Rimes`unbändigem Verlangen, alte und neue Weihnachtsklassiker im Duett oder solopopvokal runter zu musizieren und Herzen zu öffnen – notfalls mit akustischer Gewalt. Entstanden sind vierzig Minuten weihnachtliches Rabimmel Rabammel Rabumm, popvokales Line-Dancing mit winterlicher Instrumentalisierung: keine Muh, keine Mäh aber eine Täterätätä. Dafür gibt’s (aufgerundet) einen Stern, denn a) ist bald Weihnachten und b) wird sich Oma freuen. Oma mag Sülzwurst und Maria Höfl-Riesch, warum also nicht auch „Today is Christmas“?

(Anne)

1/10

Costa Cordalis – Frohe Weihnachten mit Cordalis

Costa Cordalis - Weihnachten mit Cordalis

Costa Cordalis – Weihnachten mit Cordalis

Label: Yoyo
VÖ: 6.11.2015

Genre: Pop, Schlager
Klingt wie: eine Zwangsbeglückung

Uh yeah, eine CD voller oller Weihnachtsklassiker. Und das auch noch von der dauerbraungebrannten Vorzeigefamilie schlecht hin. Die Cordalische Dreifaltigkeit, bestehend aus Papa Schlumpf Cordalis, Sohnemann Lucas und Träller-Töchterchen mit dem bezaubernden Namen Kiki, lassen auch zu Weihnachten kein (Sonnen-)Studio aus. Auf dem Weihnachtsalbum, das vermutlich die nächste Villa am Ballermann finanzieren soll, finden sich hauptsächlich alte Weihnachtshaudegen, die mindestens so verstaubt klingen, wie Papa Cordalis‘ Föhnwellenfrisur aussieht. Egal ob sie nun Jingle Bells tröten oder doch die Stille Nacht huldigen, das Zahnpastagrinsen beißt sich dabei fast spürbar in die Gehörgänge. Und das, ob wir wollen oder nicht. Denn wer Cordalis auflegt, der bekommt auch Cordalis und das gleich im Dreierpack. Ob die Weihnacht mit den Cordalis dann froh wird, muss wohl jeder selbst herausfinden. Die Oma freut es bestimmt.

(Mariella)

0/10

Xavier Naidoo,Andreas Bourani, Christina Stürmer, WIRTZ, Die Prinzen, Hartmut Engler und Yvonne Catterfeld –  Sing Meinen Song – Das Weihnachtskonzert Vol. 2

Schlechter als SLEAZE Weihnachtsspecial

Sing meinen Song – Das Weihnachtskonzert

Label: 04.12.2015
VÖ: 04.12.2015

Genre: Weihnachtssongs
Klingt wie: Fondue mit deinen Bausparfreunden

Die Fremdsongsinger von Vox dürfen natürlich auch zu Weihnachten nicht fehlen. Aus Ermangelung (glücklichweise) eigener Weihnachtssongs wurde ein Wunsch- und fremdgewählter Song performiziert. Das hört sich als Gesamtwerk gar nicht so schlimm an, wie man vermuten könnte. Yvonne Catterfeld klingt auf englisch nicht wie Yvonne Catterfeld und das ist ein absoluter Gewinn, für sie und dieses Album. Xavier Naidoo mag verrückter sein als Wladimir Putins Social-Media-Manager, aber singen kann er. Natürlich schwingt der typische Naidoo’sche Pathos in jeder Note mit, aber hey… wenigsten hält er keine Rede.
Als ich das Albumcover gesehen habe, fragte ich mich, was ein Fußballspieler dort zu suchen hat. Großer Fehler. Dieser Herr ist Andreas Bourani und ich habe ihn vor Schreck gleich mit Andreas Gabalier verwechselt. Kann passieren. Schwamm drüber.
Ganz besonders ärgerlich sind die beiden Prinzen Krumbiegel und Künzel. Das könnte schön klingen, aber ich muss leider immer an „Gabi und Klaus“ (ganz alter Song von den Prinzen) denken. Vielleicht hilft Glühwein beim Vergessen. Die restlichen Interpreten fallen weder negativ noch positiv auf, genau das erwarte ich von einem Weihnachtsalbum.
Insgesamt ist „Sing Meinen Song – Das Weihnachtskonzert Vol. 2“ nicht so ohrbetäubend wie erhofft. Wer noch kein Geschenk für die Schwiegermutter oder die langweilige Schwester hat, hier könnt ihr nichts falsch machen. Vergesst aber den Alkohol nicht. Der schleift die Kanten ab.

(Yanah)

(6/10)

Es wird weihnachtlich mit Schlechter als SLEAZE Weihnachtsspecial

Kylie Minogue – Kylie Christmas

Schlechter als SLEAZE Weihnachtsspecial

Kylie Minogue – Kylie Christmas

Label: Parlophone Label Group
VÖ: 13.11.2015

Genre: Geschwollener Schwoll-Pop
Klingt wie: Das perfekt Geschenk fürs Schrottwichteln

So ziemlich jeder Künstler möchte etwas vom dicken Weihnachtsgeschäft abgreifen – so auch Kylie Minogue. Trotz Schneemangels wird auch in ihrer australischen Heimat Weihnachten gefeiert. Da stellt sich nun die Frage, warum sie ausgerechnet die Gabentische weltweit mit diesem Mist besudeln will? Gibt es etwa eine bisher unentdeckte Personalunion zwischen dem Weihnachtsmann und dem Teufel?  Kylie Christmas ist ein eindeutiges Indiz dafür.
Jemand sollte Frau Minogue mal in einem ernsten Gespräch unter vier Augen erklären, dass Weihnachten das Fest der Besinnlichkeit und Ruhe ist. Davon ist Kyle Christmas jedoch so weit entfernt wie Australien von meterhohen Schneebergen. Alle 13 Songs sind bis unter die Skihütte mit Swing und Bläsern vollgestopft. Hinzu gesellt sich ein affektierter Frohsinn. Das Ruder können selbst Duette mit Frank Sinatra und Iggy Pop nicht mehr herumreißen. Mit Kylie Christmas ist schlechte Stimmung unterm Weihnachtsbaum garantiert. Aber das Cover, das kann sich sehen lassen.

(Stefan)

1/10

Mariah Carey – Merry Christmas (Deluxe Anniversary Edition)

Schlechter als SLEAZE Weihnachtsspecial

Mariah Carey – Merry Christmas

Label: COL (Sony Music)
VÖ: 23.10.2015

Genre: Oktaven Gewichse
Klingt wie: Die Weihnachtliche Profilneurose eines sterbenden Pop(Prog) Sternchens.

Wie gut, dass ich diese Woche beschlossen habe, den rest des Jahres im „whatever, fuck it“ Modus zu verbringen. Etwas Positives über dieses Album zu verlieren, ist nicht ganz einfach. Okay klar, die gute Mariah kann singen und dass sie mindestens 42 Oktaven ohne Fehler rauf und runter jodeln kann, zeigt sie uns in jedem einzelnen Song, mehrfach, bei jedem vertonten Wort. Man könnte, was sie hier tut fast Prog RnB nennen. Ich wette, das kommt dabei raus, wenn man Dream Thearte Platten rückwärts spielt.
Obwohl eigentlich ist „All I want for Christmas is you“ einer meiner ultimativen lieblings Weihnachtssong, weil er halt den höchsten Trash Faktor hat. Wer sich da nicht die Kleider vom Leib reissen möchte und sich als sexy Weihnachtself verkleinden will, mit dem stimmt etwas nicht.
Fazit: Mein Hirn und meine Ohren sind verklebt von billo Pop-Trief! Pathetischer Schnulz Overkill. „All I want for Christmas is you“ und „Santa Clause is coming to town“ sind allein aus Trash Gründen schon grandios! Der Rest: Ganz grosser Mist. Too much. Too much. Too much. Too much.

Wo ist mein Glitzer?

(Lana)

3/10

Angelo Kelly & Family – Irish Christmas

slack-imgs.com

Angelo Kelly & Family – Irish Christmas

Label: Flowfisch Records (Broken Silence)
VÖ: 06.11.2015

Genre: Weihnachts-Folk
Klingt wie: Die Vorstellung eines irischen Weihnachtsmärchens

Das Nesthäkchen der Kelly Family trällert zur Weihnachtszeit mit der zweiten Generation der Sippe. Er selbst ist mittlerweile auch schon gar nicht mehr so jung, musikalische Weiterentwicklung stand in den letzten Jahrzehnten aber scheinbar nicht auf dem Programm.
Gesungen werden irische Weihnachtslieder und weltbekannte Weihnachtssong in irischem Gewand. Fiddle, Flöten und gälische Texte bieten zwar eine schöne Abwechslung zum Standard-Weihnachts-Sound, der hierzulande größtenteils aus den Boxen dröhnt, klingt dann aber doch etwas anarchronistisch, da exakt dieses Album auch von der „originalen“ Kelly Family irgendwann um ’98 herum hätte aufgenommen werden können.
Macht aber nichts, denn bei Weihnachtsalben geht es um die Stimmung und den besinnlichen Geist. Diesen können sie heraufbeschwören, doch etwa bei der Mitte des Albums löst er sich schon langsam wieder in Rauch auf. Dazu wird der irische Sound zu generisch und kalkuliert eingesetzt.
Es ist und bleibt eben ein klassisches Weihnachtsalbum, das an Heilig Abend im Hintergrund vor sich hinplätschern soll um dem Christkind nicht die Show zu stehlen.

(Fred)

5/10