Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE – Plattenteller!

Heute mit The KooksSwiss & die anderenKraftklub und Lary!

 

The Kooks – „Listen“

The Kooks - Listen

The Kooks – Listen

Label: Virgin/EMI
VÖ: 05.09.2014

Genre: Indie mit R’n’B Einschlag
Klingt wie: Das Mixtape vor dem nächsten Zahnarztbesuch

Die Kooks sind eigentlich für ihren astreinen, jugendlich unbeschwerten Britpop bekannt. Das erste Album erschien 2006, ging durch die Decke und bescherte den vier Musikern aus Brighton einen schlagartigen Sprung in die Charts und die Potenzierung ihres Bekanntheitsgrades. Es folgten Album Nr. 2 und 3, der Erfolgsdruck stieg und irgendwann war scheinbar Schluss mit dem ungezwungenen Musik machen. Was folgte, war eine dreijährige Sinnkrise, eine Reise durch Amerika und die dortige Jazz, Soul und R’n’B Szene. Et voilà: Fertig ist die musikalische Transformation. Die Kooks sind zurück mit neuem Sound und alles anders und viel natürlicher und sowieso. Tatsächlich klingt das sehr nach funky Discokugel und hautengen Glockenhosen. Und wenn man sich mal daran gewöhnt hat, dass die markante Stimme Luke Pritchards jetzt zu neuartigen Klängen trällert, klingt das sogar ganz gut. John Travolta hätte seinen Spaß. Und Mando Diao könnten sich ne Scheibe abschneiden. So geht das nämlich mit der Veränderung.

(Mariella)

7 /10

 

Swiss & Die Anderen – „Schwarz Rot Braun EP“

Swiss & Die Anderen

Swiss & Die Anderen – „Schwarz Rot Braun EP“

Label: Missglückte Welt (Soulfood)
VÖ: 12.09.2014

Genre: Rap
Klingt wie: Ein Blick hinter die Glitzerfassaden der heilen Welt – witzig, intim, dreckig und unverblümt!

Swiss hat mit seiner Musik eine ganz eigene Sparte kreiert, die sich über die gesamte EP auf eine provokante und zugleich amüsante Weise hindurchzieht. Er vermittelt seine Botschaft an die Missglückte Welt mit auffallend guter Reimtechnik, einer überzeugend ehrlichen Art und mit den erhobenen Fingern zum MW. Neben angriffslustigen und aggressiven Rapparts wird mit dem kontroversen Titelsong „Schwarz Rot Braun“ das deutsche Spießertum gehörig auf die Schippe genommen. Beim Song „Vermisse dich“ darf man dann auch getrost mal seiner Pubertät hinterherweinen, der Stimmungssong kommt zudem mit lässiger Bloodhound-Gang-Cover-Hook daher. Die EP ist durchgehend rotzig und Punk – denn hier wird immer noch Bier statt Schampus getrunken und der Juppi statt der Kirche im Dorf gelassen! Wem das zu laut ist, der soll rausgehen – der Sound macht definitiv Appetit auf das Anfang 2015 erscheinende Album „Große Freiheit“.

(Fanny)

10/10

 

Kraftklub – „In Schwarz“

Kraftklub - In Schwarz

Kraftklub – In Schwarz

Label: Universal Music
VÖ: 12.09.2014

Gerne: Rap-Rock/Punk-Rock
Klingt wie: Casper, Frittenbude

Zuallererst einmal: ES HEISST DEINETWEGEN! Nicht „wegen dir“…pah…und auch noch in 100facher Wiederholung! Da rollen sich einem ja die Fußnägel hoch! Und zweitens: Ich kann den Hype absolut nicht verstehen. Ja, die fünf Jungs aus Chemnitz sind ganz lustig. Textlich sind sie selbstironisch, generell ironisch bis sarkastisch und alles in allem die Verwurstung von Trivialität. Musikalisch liegen sie irgendwo zwischen hüpfbar punkig und wenig variabel. Kurzum: Sie klingen wie immer. Sie kommen jetzt eben in Schwarz. Sie sind recht egal und eigentlich weiß keiner, warum sie so cool sind.

(Kirsten)

5/10

 

Lary – „FutureDeutscheWelle“

Lary

Lary – „FutureDeutscheWelle“

Label: Chimperator
VÖ: 12.09.2014

Genre: FutureDeutscheWelle / Pop
Klingt wie: Hoffnung für die deutsche Musikszene. Massenkompatible Tracks aber trotzdem mit Substanz und Authentizität. Eine junge Dame, die für etwas steht und sich nicht scheut, das zu sein, was sie ist.

Jung und schön eröffnet das Album und Kinder, Kinder, lasst euch auf keinen Fall von diesem Track täuschen – er greift tatsächlich einige Themen auf, die einfach irgendwie mittlerweile durch sind – Selfies und so. Sobald der zweite Track Sirenen ertönt, taucht man in Larys Welt ein. Jeder Track ist sehr „jetzt“. Jetzt im Sinne von klingt nach Musik dieser Generation, aber ohne die ganze Scheiße. Es fällt einem eventuell anfangs etwas schwer, sich auf die verspulten Texte in Kombination mit der deutschen Sprache einzulassen, aber sobald man sich fallen lässt, versteht man sie. Texte wie „Im gleichen Rhytmus taktlos sein. Morgen ist nie. Immer ist tot. Abstürzen und fliegen. Den Hals voll kriegen. Bedingungen lieben. Bedingungslos leben.“. Faves auf dem Album sind definitiv System, Kryptonit, Rot und Sturm und Drang. Das Album hat definitiv Höhen und Tiefen, aber definitiv besser als den örtlichen Plattenladen zu besuchen, ist sich die Dame live anzusehen. Sie ist großartig!

(Larissa)

8/10