Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE – Plattenteller!

Heute mit Mark Lanegan, Professor GreenJamie T und Tokio Hotel!

 

Mark Lanegan Band – “Phantom Radio” 

Mark Lanegan Band - Phantom Radio

Mark Lanegan Band – Phantom Radio

Label: EMI
VÖ: 01.08.2014

Genre: Indie Singer Songwriter
Klingt wie: Folk-Pop für laue Sommernächte

Klingt nett, also ich meine nicht „kleiner-Bruder-von-Scheisse-nett“, sondern wirklich nett … „nehme-ich-zum-chillen-mit-in-den-Park-Nett“. Still, aber auf jeden Fall eingängig, mit Mitsumm-Potential. 13 Songs bestehend aus leichten, aber bestimmten, melancholisch-sommerlichen Gitarrenklängen und Stimmen, die man irgendwie eher in Richtung Island einordnen würde und nicht unbedingt Australien, wo die Geschwister herkommen. Wie dem auch sei – sehr zu empfehlen, schönes Album. Endlich mal wieder ein Gespann dessen musikalische Qualität in den letzten Jahren nicht nachgelassen hat. Meine persönliche Hör-Empfehlung: Am besten irgendwo am Wasser (Balkon geht auch klar), bei Sonnenunter- oder Aufgang mit nem Glas Wein zu genießen.

(Lana)

8/10

 

Professor Green – „Growing Up In Public“

Professor Green - Growing Up In Public

Professor Green – Growing Up In Public

Label: Universal Music
VÖ: 22.09.2014

Genre: Rap, Grime
Klingt wie: Liebenswürdiger Grime

Rap aus England und vorrangig aus Londons East End ist immer düster, hart und kantig. Growing Up In Public ist das zwar auch, allerdings mischt der Professor viele organische Sounds bei. Das Endergebnis ist somit nicht ausschließlich von Jungle und 2-Step geprägt, sondern lässt noch genug Platz für ein paar Gitarren und Keys. Anders als seine Sprechgesangkollegen aus Übersee fügt man sich nicht dem derzeigt angesagten Klangbild, sondern bewahrt sich etwas Eigenständigkeit. Die Hooks liefern meist junge Damen, wie Tori Kelly, die die Tracks dadurch auf sanfte Weise etwas auflockern und Manchen sogar ins deutsche Radio passen ließe. Lyrisch ist er sehr souverän unterwegs und alles in allem haben wir es mit einem sehr gefälligen Album zu tun, dass den richtigen Ton zwischen Wut und Freude trifft.

(Fred)

7/10

 

Jamie T – „Carry On The Grudge“

Jamie T - Carry On The Grudge

Jamie T – Carry On The Grudge

Label: Virgin Records
VÖ: 26.09.2014

Genre: Alternative
Klingt wie: Jamie T in gemäßigt

Schau an, schau an. Von dem Herren, der sich Dank seines krassen Akzents immer mit Alex Turner und Mike Skinner vergleichen lassen muss, hat man auch lange nichts mehr gehört. Umso schöner, dass er wieder da ist. Und das um Einiges handzahmer und gemäßigter, als man ihn von den ersten beiden Alben kennt. Eigentlich verwirrend, heißt die Platte doch Carry On The Grudge. Die Jahre der Pause scheint der Brite genutzt zu haben, um ein wenig vom Gas zu steigen und die Wohnzimmercouch zu besteigen. Denn die zwölf Tracks klingen genau so: An einem Sonntag auf der Couch. Einzig die unverkennbare Stimme ist so, wie man sie von früher kennt. Aber nicht, dass man mich jetzt falsch versteht. Das klingt anders, aber gut anders. Da hat er alles richtig gemacht, der Jamie. Das kann man sich wirklich gut anhören.

(Mariella)

8/10

 

Tokio Hotel – „Kings of Suburbia“

Tokio Hotel - Kings Of Suburbia

Tokio Hotel – Kings Of Suburbia

Label: Universal Music
VÖ: 03.10.2014

Genre: Electro-Pop
Klingt wie: ein Fehler

Tokio Hotel tragen seit ihrem ersten Album ein schweres Kreuz und werden die Vorurteile, die ihnen von der deutschen Öffentlichkeit entgegenschlagen wohl auch so schnell nicht mehr los. Da können Haare geschnitten, gefärbt und toupiert werden so viel sie wollen und auch die Kostüm-artigen Outfits helfen nicht darüber hinweg. „Einfach mal andere Musik machen‟, war dann wohl der nächste Schritt, um das schlechte Image los zu werden. Ganz so einfach scheint das aber nicht zu sein. Ich wollte ihnen wirklich eine Chance geben und mich unvoreingenommen nähern und ganz objektiv über Kings of Suburbia urteilen. Umso schlimmer, dass mich jeder einzelne Song aufs Neue erschaudern lässt. Sie sind in L.A. scheinbar an die falschen Leute geraten, denn was wir hier geboten bekommen, ist ein synthetischer Eintopf aus verzerrtem Gesang (kein einziger Track ohne Filter oder Effekt über der Stimme!), Plastik-Drums, Dubstep und ganz selten sogar mal eine echte Gitarre. Mir drängt sich der Gedanke auf, dass das Ziel hinter der Platte die musikalische Verschleierung der Band war, sodass niemand merkt, wozu man da gerade mitnickt, wenn davon was im Radio läuft. Ziel erreicht – besser macht’s das trotzdem nicht und Tokio Hotel werden auch weiterhin unter ihrem Erbe leiden müssen.

(Fred)

2/10