Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE – Plattenteller!

Heute mit Two Gallants, Feine Sahne Fischfilet, Deichkind, Dritte Wahl und Archives!

Two Gallants – „We Are Undone“

Two Gallants - We Are Undone

Two Gallants – We Are Undone

Label: ATO Records
VÖ: 30.01.2015

Genre: Indierock / Folk
Klingt wie: Ein Konzertbesuch

Das geniale Duo aus San Francisco ist zurück – im Gepäck haben sie einen rotzigen Gitarrensound und leidenschaftlichen Gesang. We Are Undone macht ab dem ersten Song Lust auf mehr. Authentische Klänge sind das Markenzeichen von Two Gallants und prägen auch diese Platte. Auf eine Nachproduktion sämtlicher Titel wurde bewusst verzichtet. Das hört man den zehn Stücken zwar an, aber genau darin liegt der Reiz. Dreckige Gitarrenriffs, viel Lärm und ein inbrünstiger Gesang verbreiten eine Konzertatmosphäre. We Are Undone kann jedoch auch anders: Auf dem Langspieler befinden sich ebenso melancholische und nachdenkliche Stücke.  Stellvertretend ist hier der Titel „There is so much I don’t know” zu nennen. Eines weiß ich jedoch mit Sicherheit: We Are Undone ist eine großartige Platte geworden – dreckig, voller Energie und ruhig zugleich.

(Stefan)

8/10

 

Feine Sahne Fischfilet – „Bleiben oder gehen“

Feine Sahne Fischfilet - Bleiben Oder Gehen

Feine Sahne Fischfilet – Bleiben Oder Gehen

Label: Audiolith
VÖ: 23.01.2015

Genre: Punk, Ska
Klingt wie: Rebellentum in deutschen Vorstädten

Wenn politische Meinungen im Vordergrund stehen, bleibt die Musik oft auf der Strecke. Feine Sahne Fischfilet hatten damit noch kaum ein Problem und obwohl es auf dem neusten Album wieder politisch zugeht, befasst man sich damit diesmal eher im kleineren Maßstab. Die Punkriffs werden durch klug platzierte Bläsereinsätze schön abgerundet und man kann eine leichte Annäherung an (nennen wir sie mal) die Masse, erkennen. Sie bleiben dennoch real, wie man im Sprechgesangsjargon so gerne sagt und auch wenn man nicht auf die Idee kommen würde, den Begriff Radiopunk in die Beschreibung einfließen zu lassen, bin ich mir sicher, dass kaum jemand angewidert weg schalten würde, wenn sie dort gespielt würden.

(Fred)

7/10

 

Deichkind – „Niveau Weshalb Warum“

Deichkind - Niveau Weshalb Warum

Deichkind – Niveau Weshalb Warum

Label: Sultan Günther Music
VÖ: 30.01.2015

Genre: Deichkind halt
Klingt wie: Eine Fette Party mit Deichkind!

Niveau Weshalb Warum? Die richtige Frage zur richtigen Zeit und, wie immer (wie könnte es anders sein), von der richtigen Band gestellt. Nach achtzehn Jahren ungenierter Ehrlichkeit, Stiltreue und keiner Angst vor ein wenig Derbheit, haben sich Deichkind längst schon ihre Narrenfreiheit erspielt. Eine Freiheit, die sich aber nicht durch weniger Niveau, sondern – ganz im Gegenteil – durch immer mehr Bock auf das, was sie da tun, zu äußern scheint. Deichkind sind und bleiben die geilste Partyband der Welt und beweisen einmal mehr, dass Gesellschaftskritik und Feiern allemal unter einen Hut passen.

(Mariella)

8/10

 

Dritte Wahl – „Geblitzdings“

Dritte Wahl - Geblitzdingst

Dritte Wahl – Geblitzdingst

Label: Dritte Wahl Records (Indigo)
VÖ: 30.01.2015

Genre: Deutschpunk
Klingt wie: Reife Punks

Nicht die Dienstälteste, aber eine der wenigen deutschen Punkbands die kontinuierlich seit 1986 besteht. Entsprechend betagt sind die Herren mittlerweile auch, was man ihnen durchaus anmerkt. Und das nicht im negativen Sinne. Neben den üblichen gesellschaftskritischen Texten, findet man häufiger persönlichere Themen. Als Familienväter ist es eben nicht mehr so einfach, spontan um die Häuser zu ziehen und einen drauf zu machen, wie es früher war. Dessen sind sie sich bewusst und bewahren sich so ihre Würde und Integrität, wie es viele nicht geschafft haben. Auf „Geblitzdingst‟ vereint sich Schrammel-Punk mit etwas Metal und lässt noch genügend Platz für eine Rock-Ballade. So geht unverkrampfter Deutschpunk – reif, aber nicht altersmild.

(Fred)

6/10

 

Archive – „Restriction“

Archive - Restriction

Archive – Restriction

Label: Dangervist/PIAS
VÖ: 09.01.2015

Genre: Progressive Rock, Alternative
Klingt wie: Halbgares Kartoffelgratin (eigentlich ne gute Idee, aber leider nicht ganz durch)

Das Album fängt ein bischn hektisch an. Ich bin mir nicht sicher, ob ich gerade einfach nur zu viel Kaffee getrunken habe oder ob das Album wirklich einen leicht stressigen Unterton hat. Ich finde es im Grunde nicht ganz verkehrt, aber irgendwie klingt es etwas unfertig und als hätte die Band versucht so viel Inhalt und Sound wie möglich in jeden Song zu stopfen – weniger ist manchmal (meistens) mehr. Vielleicht liegt es daran, dass sie vor nicht all zu wenigen Monaten gerade erst ihr letztes Album raus gebracht haben, aber das Ganze wirkt auf mich ein wenig unausgereift. In den wenigen Monaten scheint keiner der Bandmitglieder genug Hass, Liebe und sonstige Emotionen gesammelt zu haben, um ein Album zu füllen. Demnach ist das Ganze ein wenig emotionslos. Die werten Damen und Herren, hätten vielleicht einfach noch etwas länger leiden sollen, denn so wie es jetzt ist, ist es leider nicht wirklich greifbar. Vielleicht hätten sie das gute Stück statt „Restriction“ lieber „Constipation“ nennen sollen. Ich werde, auch nach mehrfachem Hören, nicht warm damit…

(Lana)

5/10