Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE – Plattenteller!

Heute mit Ibey, Jonas Alaska, Carnival Youth, Zugezogen Maskulin und Charli XCX!

Ibeyi„Ibeyi“

Ibey - Ibey

Ibey – Ibey

Label: Xl/Beggars Group (Indigo)
VÖ: 13.02.2015

Genre: Soul, R’n’B, Elektro, Experimental
Klingt wie: Afrikanischer Stamm meets Kuba meets geiler Barabend

Ein ganz eigener Sound. Das ist ein Prädikat, das es den Musikkennern und Möchtegerninsidern schon immer schwer gemacht hat, etwas scheiße zu finden. So auch bei der Musik des Zwillingspaares Ibeyi. Die französischen Schwestern verbinden mit ihrer Musik ihre aller ursprünglichsten Wurzeln des westafrikanischen Stammes der Yoruba, die im 18. Jahrhundert als Sklaven nach Kuba verscherbelt wurden mit kubanischen Rhythmen und einem modernen Gefühl für Soul und Elektronisches. Heraus kommt dabei ein – nun ja – ganz eigener Sound. Den kann man mögen oder eben auch ein bisschen anstrengend finden. Fakt jedoch ist, dass er definitiv zum Mitgrooven zwingt und mehr als ein Mal gehört werden muss. Meinen Segen haben sie!

(Kirsten)

7/10 Sternen

 

Jonas Alaska – „Tonight“

Jonas Alaska - Tonight

Jonas Alaska – Tonight

Label: Popup (Cargo Records)
VÖ: 20.02.2015

Genre: Indie, Singer-Songwriter
Klingt wie: Ein Roadtrip durch Skandinavien

Jonas Alaska ist für mich schon lange kein Unbekannter mehr. Das war so eine „Ich klicke mal auf den ähnliche Künstler“-Button Entdeckung. Schuld daran war Musikerkollege und Unterhosenfetischist (schaut euch das Video „I Spy“ an!) Mikhael Paskalev. Dann kam sein großartiges erstes Album „Jonas Alaska“, das sich erfolgreich auf meinem Ipod eingenistet hat und – warum auch immer – nur in seiner Heimat Norwegen veröffentlicht wurde. Nun erscheint endlich ein Album für uns Deutschsprachigen. Ein Best Off von allen bisher erschienenen Alben als Debut sozusagen. Stilvoll. Und absolut empfehlenswert, wenn man auf ruhigen, unaufgeregten Indiesound steht. Ich bin und bleibe Fan der ersten Stunde!

(Mariella)

7/10

Carnival Youth – „No Clouds Allowed“

Carnival Youth - No Clouds Allowed

Carnival Youth – No Clouds Allowed

Label: Popup-Records
VÖ: 13.02.2015

Genre: Folk / Indie
Klingt wie: Ein wolkenloser Himmel und gute Laune mit Hang zum Überschwang

Carnival Youth klingen als kämen sie aus einer Gegend, in der 24 Stunden am Tag die Sonne scheint. Aber weit gefehlt: Das Quartett um die Brüder Kaupers ist im kalten Lettland beheimatet. No Clouds Allowed ist ihr neuer Albumtitel und charakterisiert trefflich die Stimmung des Langspielers: Fernab jeglicher schlechter Laune präsentieren sich alle 11 Titel. Dabei werden Musikstile derartig miteinander in Einklang gebracht, dass Genregrenzen federleicht überwunden werden. Carnival Youth passen nicht wirklich in eine Schublade. Denkt man dennoch für einen kurzen Moment, man könne anhand eines Songs eine Stilschublade öffnen, schließt der nächste Titel diese wieder vehement, sodass man aufpassen muss, sich nicht die Finger zu klemmen. Allgegenwärtig sind die gute Laune, die verträumten Textzeilen und die einfachen, aber eingängigen Akkorde – teilweise scharf die Grenze der Übertreibung streifend. Vollkommen ohne Grenzen geht es dann anscheinend doch nicht.

 (Stefan)

6,5/10

 

Zugezogen Maskulin – „Alles brennt“

Zugezogen Maskulin - Alles Brennt!

Zugezogen Maskulin – Alles Brennt!

Label: Buback/Indigo
VÖ: 13.02.2015

Genre: Deutsch-Rap
Klingt wie: Eine derbe Kritikschelle zweier wütender MCs für die Republik

Testo und Grim104 – Eine der größten Deutschrap-Hoffnungen der Gegenwart. Sie erzählen von Flüchtlingen, die in den besten Wohnanlagen kampieren und von deren Erwartungen an das Großstadtleben. Dabei rappen beide technisch präzise und auf sehr hohem Niveau. Sie werfen neue und alte Ressentiments mit zynischen Zeilen wie Steine gegen den vermeintlichen Sündenbock Neu-Berliner. Ihre sarkastischen Kommentare treffen „Agenturensöhne“ hart und direkt an den Kopf. Dieses Album strotzt vor Trap-Anleihen und ist durch die unterschiedlichen Sprechstile der beiden Rapper besonders unterhaltsam und abwechslungsreich. Alles brennt und ich bin ebenfalls Feuer und Flamme für dieses Album.

(Fanny)

9/10

 

Charli XCX – „Sucker“

Charli XCX - Sucker

Charli XCX – Sucker

Label: Warner Music
VÖ: 16.02.2015

Genre: rebellischer Pop
Klingt wie: Gwen Stefanie nach einer Frischzellenkur

Wenn jemand am laufenden Band Hits für andere Künstler schreibt und sich dann auch mal ins Rampenlicht stellen möchte, geht das erfahrungsgemäß oft ziemlich schief. Die 22 Jährige Charlotte Aitchinson ist unter anderem für Icona Pops „I love it“ und Iggy Azaleas „Fancy“ verantworlich und nun auch für ihr zweites Soloalbum. Darauf gibt es lupenreinen Pop, der sich aber nicht ausschließlich an die derzeit gängigen Praktiken des Genres hält. Das sorgt nicht nur für frischen Wind, sondern verleiht ihr eine Glaubwürdigkeit, die die meisten Popsternchen vermissen lassen. Pop muss man schon mögen, aber selbst wenn nicht, kommt man ohne Nervenzusammenbrüche aus, wenn man das doch mal irgendwo hören muss.

(Fred)

5/10