Musik, Musik! Neue Musik! Und weil es jede Woche viel zu viel davon gibt und kein Schwein seine Zeit mit dem Lesen von ewig langem, poptheoretischen Pseudo-Gewäsch verschwenden möchte, machen wir es kurz, prägnant und knallhart!

Tattarattaaaaaa: Der SLEAZE – Plattenteller!

Heute mit Noel Gallagher’s High Flying Birds, The Balck Ryder, Bilderbuch, Hiob & Morlockk Dilemma und Sizarr!

Noel Gallagher's High Flying Birds - Chasing Yesterday

Noel Gallagher’s High Flying Birds – Chasing Yesterday

Noel Gallagher’s High Flying Birds – „Chasing Yesterday

Label: Sour Smash
VÖ: 27.02.2015

Genre: Britpop, Alternative
Klingt wie: Oasis der Gegenwart

Neben Pöbelleien und Lästerattacken beherrscht der gute Noel Gallagher vor allem eine Sache äußerst gut: Musik machen. Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn ist dabei oftmals eine sehr schmale. Mit Chasing Yesterday betreten Noel und seine High Flying Birds jedoch definitiv das Gebiet der Genialität. Der Langspieler klingt rockig, voller Lebensfreude und einfach rund. Besonders Liebhabern alter Oasis-Stücke wird ein Gefühl des Altbekannten beschleichen: Déjà-vus an Wonderwall und The Masterplan treten unweigerlich auf. Da hat der geniale Noel wohl teilweise bei sich selbst gemopst – chasing yesterday eben. Das Album besitzt aber natürlich seinen ganz eigenen Sound – voller Gitarren, eingängigen Melodien und irgendwo zwischen Rock und Pop verortet. Die unverwechselbare Stimme Gallagher’s lässt für einen kurzen Wimpernschlag die Hoffnung aufkeimen, man höre Oasis der Gegenwart.

(Stefan)

8/10

 

UnknownThe Black Ryder – „The Door Behind the Door

Label: The Anti-Machine Machine
VÖ: 24.02.2015

Genre: Psychedelic Rock
Klingt wie: High im Planetarium

The Black Ryder haben diesen typisch melancholisch-psychedelischen L.A. Sound, für den es gar nicht viel braucht. Zwei Gitarren, zwei Verstärker, ein wenig Pathos und die Stimmen, die das Ganze tragen. Beim Hören sieht man sich selbst schon in einem alten offenen Cadillac auf der Rückbank sitzen. Mit ausgestreckten Armen und wallendem Haar, den Kopf in den Nacken gelegt, auf dem endlosen Highway entlangfahrend. Dann kommt zuerst dieses magische Freiheitsgefühl, von dem man denkt, es halte ewig. Bis sich die Melancholie einmischt und sich wie ein Klotz an dein Bein hängt und dich ins schwarze Soundloch zieht. Ein Album, das einem noch viel mehr an Hingabe abverlangt, als das erste. Sphärisch gut aber vielleicht nichts für Leute, die sich von Musik emotional in tiefe Abgründe ziehen lassen!

(Mariella)

7/10

Bilderbuch – „SCHICK SCHOCK

Bilderbuch - Schick Schock

Bilderbuch – Schick Schock

Label: Maschin Records (Virgin Records / Universal Music)
VÖ: 27.02.2015

Genre: Austropop, Sexersatz, Art-Punk, Hip Hop
Klingt wie: purer Sex

Das neue Album der österreichischen Band Bilderbuch ist wie sehr guter Überraschungssex: Selbst wenn man anfänglich gar nicht so Bock hat, packt einen der Groove und am Ende sind alle Beteiligten völlig extatisch. Gleiches passiert gerade Musikkritikern an jeder Ecke. Mit feuchtem Schlüppi und glänzenden Augen rufen sie die Neuerfindung des deutschsprachigen bzw. des Austropop aus. Und sie haben nicht Unrecht. Die vier Jungs von Bilderbuch haben nicht einfach nur den eigenen Stil neu interpretiert, sie stellen sowohl die musikalische Lyrik, als auch den Sound vollkommen auf den Kopf. Schon als im vergangenen Jahr die erste Singe „Maschin“ einschlug wie eine Bombe musikalischen Sex’, waren zwei Dinge klar: Zum einen haben Bilderbuch ihre ganz eigene Poesie aus Andeutungen und nicht Andeutungen, Satz- und Wortfetzen, die eine klare Bildsprache haben, gefunden. Und zum anderen ist eigentlich gar nicht mal so wichtig, was die instrumentale Begleitung dazu macht – an bekannte Regeln hält sie sich jedenfalls nicht – , Hauptsache sie macht, dass wir uns weiterhin so gut fühlen. Eine Platte, die nix für all diejenigen unter euch ist, die nach dem Sex weinen, denn wenn sie einst verklungen ist, hinterlässt sie ein noch schlimmeres Loch als sehr guter Überraschungssex.

(Kirsten)

10/10 Sternen

 

Hiob & Morlockk Dilemma – „Kannibalismus Jetzt“

Hiob & Morlockk Dilemma - Kannibalismus Jetzt

Hiob & Morlockk Dilemma – Kannibalismus Jetzt

Label: Mofo Airlines Genre: Deutschrap
VÖ: 06.03.2015

Genre: Hip Hop
Klingt wie: Ein lyrisches Drei-Gänge-Menü – zwischen Kaviarschnittchen, Schampus und Orgien

Nach dem Kapitalismus wird nun der Kannibalismus zelebriert: Die im Vergleich weitaus entspannteren Remix-Versionen des Vorgängers „Kapitalismus jetzt“ sind aber alles andere als aufgewärmtes Resteessen. Frische Zutaten kommen in die Synthiesuppe: Bestehend aus u.a. Dexter, MecsTreem und Suff Daddy. Sie untermalen die abwechslungsreichen Flow-Abfahrten mit funky Jazz- & Bluessamples Sounds. Als Nachschlag gibt’s drei heiße, neue Songs mit der extra Portion Sprachakrobatik und wenn „Barfly“ Karate Andi „Die Drinks auf euch“ rappt, ist er damit die Kirsche auf dem Eisbecher – guten Appetit, ihr Menschenfresser! Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass ausnahmslos alle Songs einem Remake unterzogen worden wären. Dennoch ein äußerst geschmackvolles Longplayerbankett, denn „Ein Hit ist genug“ mit den Bestesten – Audio 88 und Yassin.

(Fanny)

8/10

 

Sizarr – „NurtureUnbenannt

Label: Four Music
VÖ: 27.02.2015

Genre: Indie-Pathos-Pop
Klingt wie: eine laue Sommernacht auf dem Melt!

Sizarr sind eine Band aus Landau, wo auch immer das liegen mag. Sicherlich liegt es aber in Deutschland, was man der Musik aber nicht anmerkt. Die Beschreibung ihres Sounds klaue ich ganz dreist beim Kollegen von der Spex, der es damit genau auf den Punkt bringt: “[…] eine etwas abenteuerliche Mischung aus jenem leicht biederen Bleichgesichter-Reggae, wie ihn einst Sting mit The Police perfektionierte, und der Schnittmenge von Plastik-Soul der Achtziger und einer gesunden Portion Pathos.“ Mein Unterbewusstsein geht bei solchen Beschreibungen automatisch in eine Abwehrhaltung. Aber es soll ja durchaus Leute mit anderem Musikgeschmack geben und denen – so weit reicht mein Einfühlungsvermögen – wird Nurture sicherlich ausgesprochen gut gefallen.

(Fred)

6/10