Der Stoff

Gin – im 17. Jahrhundert als Genever (vom namensgebenden Wacholder, lat. juniperus, abgeleitet) aus den Niederlanden in seine heutige Stammheimat Großbritannien gelangt, einst von der British Navy als Treibstoff für raubeinige Seemänner ausgegeben, aber auch von hart schuftende Landratten als billiger Seligmacher getrunken, erfreut sich heute wie eh und je großer Beliebtheit, auch wenn es keine Kontinente mehr zu erobern oder Augenlicht zu verlieren gilt.

SLEAZE hat für euch drei Sorten und fünf Cocktails ausprobiert.

Die Kandidaten

Drei dieser geschichtsträchtigen Rachenputzer standen diese Woche unseren fünf Testern zur Verfügung: Hendrick’s (44% Vol, 0,7l), welcher im Handel mit etwa 30€ zu Buche schlägt, Tanqueray No. Ten (47,3% Vol, 0,7l) für 25€ und Broker’s (47% Vol, 0,7l) für etwa 20€.
Damit befinden sich alle drei – sowohl was ihren Alkoholgehalt als auch ihren Preis anbelangt – ein ganzes Stück jenseits des gemeinen Billigfusels, sind aber trotzdem auch für den etwas schmaleren Studentengeldbeutel keine allzu große Belastung.

Purverkostung

Zunächst wurden die Kandidaten pur auf ihre Qualitäten getestet, um einen möglichst unverfälschten Eindruck zu erhalten.
In einer schweren, fast schwarzen Flasche macht der Hendrick’s seiner Ansage „Not for Everyone“ zunächst alle Ehre. Wachholdergeschwängerte, phenolische Noten (eine zartbesaitete Seele in unserer Runde sprach von Lösungsmittel und schaute dabei wie der Koboldmaki auf der Hendrick’s-Website) steigen in die Nase und setzen sich auch am Gaumen fort. Der kräftigste Gin im Test – dass das kein Nachteil sein muss, wird sich an späterer Stelle zeigen.
Der Tanqueray kommt dagegen schon fast verhalten daher: Beim Anblick der hohen Art Déco-Flasche könnte man fast denken, man habe einen Absinthe vor sich. Würzig, mit einer kräuterhaften Frische wusste er auf Anhieb zu überzeugen, wobei ihm dank der dezenten Zitrusnoten trotz der gut 3% Vol. mehr die Schwere des Hendrick’s fehlte.
Obgleich er einen ähnlich hohen Alkoholgehalt aufzuweisen hat, war der Broker’s, der in einer Pulle mit Hut daherkommt, der leichteste der drei, wobei unseren Probanden hauptsächlich das noch viel vordergründigere Zitrusaroma und der leichte Abgang ohne Nachbrennen positiv auffielen.

Cocktails

Doch wenden wir uns dem Haupteinsatzgebiet unserer hochprozentigen Freunde zu – denn machen wir uns nichts vor, Gin wird heutzutage nur in den wenigsten Fällen pur genossen, sondern ist hauptsächlich als wichtigste Zutat diverser Cocktails und Longdrinks beliebt.

 

1. Plymouth Gin Tonic
Der erste von uns getestete Cocktail ist eine Mischung aus Gin (Tanqueray No Ten), Tonic Water (in diesem Falle Thomas Henry), Erdbeeren und schwarzem Pfeffer, liebevoll im Shaker eisgekühlt. Hört sich aber leider besser an als er ist – abgestandenes (!) Spülwasser war die am häufigsten genannte Assoziation, was auch der im Purtest überzeugende Tanqueray nicht herausreißen konnte. Nachdem die Zutaten eine etwas schnellere Runde im Mixer gedreht hatten, fiel das Urteil deutlich gnädiger aus (lassen wir mal Yanahs Instant-Karies-Version mit Zuckersirup außen vor).

10/50, als Frozen 22/50

2. Gimlet
Dieser Cocktail, welcher nichts als Gin und Limejuice Cordial (in unserem Falle Limettensaft und ein Wenig des schon erwähnte selbstgekochten Zuckersirups) enthält, diente aufgrund seines hohen Vitamin C-Gehaltes schon auf Schiffen der Navy als Skorbutmedizin (warum wir statt dessen auf die glorreiche Idee kamen lieber Sauerkrautsaft zu trinken, lasse ich einmal dahingestellt).
Im Gimlet kann der Hendrick’s seine ganze Stärke ausspielen: Er hat nicht nur genug Kraft, gegen die Säure und Süße des Limejuice anzukommen, sondern kontrastiert diese wunderbar mit seiner herben und im Purtest fast etwas dominanten Wachholdernote.
Auch dieser Drink wurde von uns im Anschluss, etwas unorthodox, als Frozen-Variante ausprobiert, und avancierte sofort zum Publikumsliebling.

32/50, als Frozen 38/50

 

Bellini

3. Ber/llini, „Friedrichsheini“
Leider war es an diesem Abend das Schicksal des Tanqueray, Teil der langweiligen Cocktails zu sein. Der Berlini (Sekt mit Gin und Orangenscheibe), in der Variante mit Erdbeere und Limettenscheibe liebevoll „Friedrichsheini“ getauft, schmeckte ungefähr so, wie sich eingeschlafene Füße anfühlen.

7/50

4. Gin Tonic
Das neben dem Gimlet zweite klassische Mischgetränk des Abends. Gin, Tonic Water (hier nun Fentiman’s), Eis und Gurke bilden die wohl leckerste Malariaprophylaxe der Welt, welche wir bei den herrschenden Temperaturen und den Myriaden von Mücken auch gut gebrauchen konnten. Hier punktete der Hendrick’s schon wieder, da die Bitterkeit des Tonic in dessen herber Trockenheit zwar keinen Gegen-, dafür aber einen hervorragenden Mitspieler gefunden hat. Der Broker’s hingegen machte in dieser Kombination leider keine so gute Figur, die Sleazels empfanden seinen Geschmack als zu konträr.

Mit Hendrick’s 31/50, mit Broker’s 17/50

 

5. White Lady
Die Überraschung des Tests kam in Form der White Lady, einer Kombination aus Gin (wir kamen dann irgendwie nicht mehr so richtig vom Hendrick’s los…) und Triple Sec (Le Favori). Der bei weitem stärkste Drink des Abends (Triple Sec hat ebenfalls geschmeidige 40% Vol.) ist unerwartet mild und fruchtig, und wusste sogar die Zuckersirup-Fraktion zu überzeugen, ohne wirklich süß zu sein.

29/50

 

Weil heute Tag des Gins ist und wir so langsam keinen mehr trinken können, verlosen wir 2 Flaschen des Hendrick’s Gins.
Dazu müsst ihr uns nur verraten, welche Zutat einen normalen Martini zum „Dirty Martini“ werden lässt. Schickt die richtige Antwort bis zum 21.06. an geschenke@sleazemag.com und gewinnt mit etwas Glück die Hauptzutat eurer nächsten Cocktailparty.